Traditionelle Fahrzeugsegnung morgen am 05. Juli 2020 auf dem Klosterplatz in Haslach

Über Leben und Wirken eines der bekanntesten und volkstümlichsten Heiligen, des Nothelfers Christophorus, gibt es so gut wie keine authentischen Überlieferungen. Bezeugt sind Existenz und Martyrium, alle weiteren Überlieferungen sind Legende.

 Doch alle Unsicherheiten über das Leben von Christophorus konnten zu keiner Zeit verhindern, dass diesem Märtyrer immer eine ganz besondere Verehrung entgegengebracht wurde. Er gilt als Beschützer der Autofahrer, weshalb viele Menschen eine Christophorus-Plakette am Armaturenbrett ihres Autos befestigen. Christophorus wurde möglicherweise gegen Ende des 2. Jh, in Kanaan geboren und erhielt von seinen heidnischen Eltern den Namen Reprobus. Erwachsen glich er einem Riesen, so groß und gewichtig war er geworden. Er verließ seine Heimat, um sich, so erzählt es die Legende, auf die Suche nach dem mächtigsten Herrscher der Welt zu machen und diesem zu dienen. Auf seiner Reise soll der Riesenmensch auf einen Einsiedler gestoßen sein, der ihm befahl, auf seinem gewaltigen Körper Menschen durch einen nahegelegenen Fluß zu tragen. Eines Tages half Reprobus einem kleinen Kind durch das Wasser. Doch auf halber Flußstrecke wurde die Last schwerer und schwerer, Reprobus drohte zu ertrinken. Als er erschöpft am anderen Ufer ankam, sagte das Kind zu ihm: „Jesus Christus war deine Bürde. Du hast mehr als die Welt getragen.“ Christus gab sich so zu erkennen, tauchte den Riesen Reprobus sodann unter Wasser und taufte ihn auf den Namen Christophorus, was in der griechischen Sprache „Christus-Träger“ bedeutet. Sein mutiges Eintreten für den christlichen Glauben fand viele Anhänger. In seiner Heimat Lykien (heute in der südlichen Türkei) sei er von dessen König, einem strengen Christenverfolger, nach langem Martyrium möglicherweise um das Jahr 250 enthauptet worden. Die Reisenden und viele Berufsgruppen, die mit dem Verkehr zu Lande und zu Wasser etwas zu tun haben, machten ihn im Laufe der Jahrhunderte zu ihrem Schutzpatron, trugen sein Bild mit sich oder malten ihn ganz groß an die Eingänge von Kirchen oder an belebte Plätze eines Ortes. Mit dem aufkommenden Automobil-Zeitalter und einer immer stärker werdenden Reisebegeisterung kam zunächst in Österreich und Bayern der Brauch der Fahrzeugsegnung auf. Der Haslacher Weinhändler Heinrich Ziegler hatte einen Geschäftsfreund in Bayern und dieser hatte den Haslacher Geschäftsmann Ende der 1920er Jahre dazu bewegen können, die Fahrzeugsegnung in Haslach einzuführen. Und so fand dieser Brauch auch den Weg ins Kinzigtal, nicht zuletzt deshalb, weil der Heilige Christophorus der Schutzpatron der Haslacher Klosterkirche war. In zeitlicher Nähe zum Christophorus-Tag (25. Juli), anfangs rund um den Pfarrplatz, später dann stets auf dem Klosterplatz, war diese Segnung angesiedelt. Inzwischen wurde diese Feier zwar zeitlich vorgezogen, geblieben aber ist das große Interesse an dieser Tradition, mit dieser Segnung den besonderen Schutz des heiligen Christophorus zu erbitten. Geblieben ist auch der Brauch, die Fahrzeuge mit frischen Blumen zu schmücken. Wer sich dem Schutz des Heiligen anvertraut, steht aber auch in der Pflicht, Rücksicht auf seine Mitmenschen zu nehmen, denn sonst, so sagte einmal ein Geistlicher bei der Fahrzeugsegnung: „ Bei Raserei steigt der heilige Christophorus aus!“
Die Fahrzeugsegnung findet am Morgen am Sonntag, 05. Juli 2020 (nach dem Gottesdienst in der Stadtkirche) um 11.30 Uhr auf dem Klosterplatz statt. Zu beachten ist dabei der Personen-Abstand von 2,00 Meter!  Es ergeht hierzu herzliche Einladung.