Gedenken an Josef Rau

Anlässlich des 100. Geburtstages des 1994 verstorbenen Haslacher Altbürgermeisters Josef Rau legte Bürgermeister Philipp Saar an dessen Grab auf dem Haslacher Friedhof am 28. Mai ein Gebinde als ehrendes Andenken nieder.
 

Josef Rau war im Oktober 1957 zum Bürgermeister von Haslach gewählt und 1985 in den Ruhestand verabschiedet worden. Mit der Verabschiedung wurde ihm die Ehrenbürgerwürde verliehen. Rau galt in seiner 28 Jahre währenden Amtszeit als äußerst agiler Bürgermeister. Mit der Einweihung der Nordtangente am 16. Oktober 1981 konnte er sicherlich sein größtes und wichtigstes Projekt abschließen und die innerörtliche Umfahrung Haslachs gewährleisten, die eine wichtige Voraussetzung für die weitere Entwicklung der Haslacher Altstadt war. Rau engagierte sich in zahlreichen sozialen Projekten, so war er Mitbegründer des Sozialwerks und Seniorenclub (1970) und langjähriger Vorstand der Lebenshilfe. Er war Unterzeichner und treibende kraft der Städtepartnerschaft mit Lagny sur Marne (1969), sorgte für den Rückkauf des Freihofs (1963) und dessen Entwicklung als ein kultureller Schwerpunkt der Stadt. In seiner Amtszeit fielen der Aufbau der Stadtbücherei (ab 1958), der Neubau des Schulzentrums, (1963), die Eingemeindung Bollenbachs (1971), die Errichtung der Verwaltungsgemeinschaft mit den Umlandgemeinden (1974), die Sanierung des Kapuzinerklosters (1975 ff), die Unterdenkmalschutzstellung der Altstadt (1978). Wirtschaftlich geprägt war Raus Amtszeit vom späteren Wirtschaftswunder, viele Betriebe zogen nach Haslach oder vergrößerten sich.
 
Rau erhielt für sein Engagement bei vielen öffentlichen Projekten, besonders auf sozialem Gebiet, am 2. Dezember 1985 das Bundesverdienstkreuz.
 
„Lasset die Kleinen zu mir kommen“ – Rau gewinnt Herzen und Wählerstimmen
Vier Kandidaten bewarben sich bei der Bürgermeisterwahl 1957 zur Nachfolge des nicht mehr antretenden Fritz Kölmel: der Waldkircher Stadtkämmerer Josef Rau, Rechtsanwalt Friedrich Utsch aus Freiburg, Robert Maemecke aus Bückeburg und Leopold Selz aus Krauthausen. Legendär war die Kandidatenvorstellung in der Stadthalle Anfang Oktober 1957. Josef Rau gewann die Gunst der Zuhörer mit volksnahen Sprüchen wie „Lasset die Kleinen zu mir kommen“ in Anspielung auf seine eigene geringe Körpergröße oder „Mein Name ist Rau, aber herzlich!“ Er gewann haushoch mit 72 Prozent der Wählerstimmen im ersten Anlauf. 1965 und 1977 wurde er mit deutlichen Mehrheiten bestätigt.