Bruno-Lenz-Stiftung
Bruno Lenz wurde am 8. November 1911 in Bollenbach als Sohn des Hauptlehrers Otto Lenz geboren; mütterlicherseits stammte er aus einer Haslacher Lehrerfamilie. Schon früh fiel eine ungewöhnliche Begabung in zwei Bereichen auf: Lenz entwickelte sich sowohl als Musiker, insbesondere als Geiger, als auch als Maler. Nach dem Umzug der Eltern nach Zarten besuchte er das Realgymnasium in Freiburg, erhielt Geigenunterricht und belegte Kurse am Freiburger Musikseminar. An der Musikschule wirkte er als Leiter der Ausbildungsklasse für Violine und des Kammerorchesters. Seine weitere Ausbildung als Geiger führte ihn nach Basel und Berlin, wo er bei namhaften Lehrern studierte.
Parallel dazu reifte sein malerisches Werk. Prägend war der Einfluss seines Zeichenlehrers Theodor Schück; Anregungen erhielt Lenz zudem von Künstlern wie Otto Vittali, Artur Braun und Julius Bissier. Bereits kurz nach dem Abitur zeigte er Arbeiten in einer ersten Ausstellung im Kunstverein Freiburg. In der Rückschau gilt er besonders als Porträtmaler, der für seine präzise, zugleich zurückhaltende Darstellung geschätzt wurde. Zu den von ihm porträtierten Persönlichkeiten zählen unter anderem Senator Franz Burda, die Dirigenten Eugen Jochum und Rafael Kubelik, die Münchner Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel und Georg Kronawitter, der Theologe Karl Rahner sowie Kardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI.
1939 heiratete Bruno Lenz Anne-Marie Fiedler. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Lenz als Soldat eingezogen. Nach Kriegsende lebte die Familie zunächst in Augsburg, ab 1951 in München. Dort setzte Lenz seine musikalische Laufbahn fort. Er war 20 Jahre stellvertretender Konzertmeister im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Auch als Solist trat er regelmäßig auf.
In seiner Heimat geriet Lenz über Jahrzehnte weitgehend aus dem Blick, bis in den 1980er-Jahren eine Wiederentdeckung einsetzte. Auslöser war nach späteren Schilderungen, dass der frühere Haslacher Rektor Alfred Schmid in einer Kalenderzeitschrift ein Porträt mit der Signatur „Bruno Lenz, München“ fand und dem Hinweis nachging, es könne sich um den Sohn des Bollenbacher Lehrers handeln. Der Kontakt nach Haslach kam zustande, es folgten Besuche und eine rasch wachsende gegenseitige Wertschätzung. 1989 zeigte Lenz im Alten Kloster in Haslach erstmals einen Querschnitt seines Schaffens in der alten Heimat. Eine weitere große Präsentation folgte 2003 anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Sparkasse Haslach-Zell. Bereits 2001 wurde in Bollenbach eine Straße nach ihm benannt.
Nach seinem Tod blieb der Kontakt zur Familie bestehen und mündete 2008 in die Gründung der Bruno-Lenz-Stiftung durch Angehörige. Aus einem Werkverzeichnis mit mehr als 3.300 Arbeiten gaben die beiden Töchter Simone Lenz und Veronica Lenz-Kuhn zur Eröffnung des Hauses der Musik am 25. April 2009 82 Bilder und eine Plastik als Stiftung an die Stadt Haslach. Seitdem sind sie dort öffentlich zugänglich und verbinden an einem Ort jene beiden Bereiche, die Bruno Lenz’ Lebenswerk prägten: die Musik und die Malerei.
Maria Benz (OT vom 16. Juni 2026)








