Schriftgrafik
Bei der sog. Schriftgrafik handelt es sich um Filzstift- und Pinselmalerei. Hierfür wurde die Rückseite als Ansichtsseite verwendet, sodass die Texte spiegelbildlich erscheinen. Sie sind senkrecht zu betrachten. Nicht der Inhalt, sondern die Grafik sollte im Vordergrund stehen. Um den Sinn zu erfassen, muss man also einen Spiegel gebrauchen.
Diese Schrift-Bilder sind wesentlich von fernöstlicher Kalligrafie angeregt.
„Notiz“
1979, Filzstift, Tusche auf Japanpapier
21,1 x 14,9cm
„Li anrufen“
Eine einfache Erinnerungsnotiz: Lenz wollte pünktlich mit der Cembalistin Li Stadelmann (1900-1993) telefonieren, um eine Probe für das nächste gemeinsame Konzert zu vereinbaren. Der Zettel lag verkehrt herum, die Schrift hatte sich durchgedrückt. Senkrecht gedreht, fand ihn Lenz grafisch ansprechend.
„Geträumt“
1984; Filzstift, Tusche auf Japanpapier
30,4 x 16,2cm
„Wir wähnen uns an eines Augenblickes Ende“
Lenz beschäftigte sich zeitlebens mit seinen oft intensiven Träumen, notierte sie ausführlich.
„Gruß“
1979; Filzstift, Tusche auf Japanpapier
21,1 x 14cm
„Alles Gute u. herzl. Gruß B.Lenz“
Als Mitbringsel für Freunde gestaltete er Neujahrswünsche, Gratulationen oder einfach Grüße und Dank bisweilen gern auf diese Weise.
„Dulles“
1979; Filzstift, Tusche auf Japanpapier
30,6 x 22,2cm
„Die einen haben alles
Die andern haben’s nich
Zu’n einen g‘hört der Dulles
Zu’n andern g’höre ich“
Beim Blick in den wieder mal leeren Geldbeutel ist Lenz dieses Gedicht eingefallen, vermutlich Ende der 1950er Jahre. John Foster Dulles (1888-1959) war damals amerikanischer Außenminister und sehr reich.
„Gebet“
1979; Filzstift, Tusche auf Japanpapier
31,7 x 22,3cm
„Herr, lass mich Wachs sein, Wachs in Deinen Händen.
Für Martha und Hugo
Bruno Lenz“
Diese Grafik samt Widmung an die Freunde Martha (1903-1996) und Hugo Schnell (1904-1981), Mitbegründer des Kunstverlages Schnell & Steiner, befand sich im Nachlass des Künstlers. Offensichtlich wurde das Blatt nie verschenkt.
Fragment aus „Rom 83“
1983; Filzstift, Tusche auf Japanpapier
30,5 x 22,1cm
„und ein Händeüberdemkopfzusammenschlagen“
Das lange Kunstwort entstammt dem Gedicht „Rom 83“, das Bruno Lenz während seines Aufenthalts in der Villa Massimo in Rom schrieb. 1983 wohnte er dort mit seiner Frau Anne-Marie, als er im Auftrag des Erzbischöflichen Ordinariats München Kardinal Joseph Ratzinger, den späteren Papst Benedikt XVI, porträtierte.
Drei „Notenblätter“
1981, Lichtdruck, Filzstift auf Papier
jeweils 21 x 29,7cm
Schriftgrafik der etwas anderen Art, aus der Serie „Notenblätter“: Die Fantasie des Künstlers machte auch vor Banalem nicht Halt. Die blickdichte Maserung eines Badefensters pauste er durch. Da ihn die durchgedrückten Muster an Notenschrift erinnerten, zog er auf der Rückseite Notenlinien und Taktstriche unter die „Noten“.
„Notenblatt“
„Notenblatt“
Lenz konnte auch schwarzen Humor. Er hat die Seite angesengt und auf vergilbtes Papier geklebt.
„Ich fand
nach dem großen Brand
in der Hand
des Toten
diese Noten“









