Porträts

Porträtmalerei als wichtigstes Element seiner Kunst zieht sich durch das ganze Leben von Bruno Lenz. Für die 81 Jahre seines künstlerischen Schaffens sind im Werkverzeichnis über 1.200 Porträts aufgeführt – vom privaten Selbstbildnis bis zum offiziellen Auftragswerk von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Kunst und Wissenschaft, Politik und Wirtschaft.
Daneben waren Kinderbildnisse immer besonders gefragt. Auch die eigene Familie kam nicht zu kurz: rund 400 Bildnisse sind erhalten und etwa 100 Selbstporträts.

Porträts - Familienporträts

„Mein Vater“, Otto Lenz


etwa 1929; Öl auf Leinwand und Pappe
22,5cm x 19cm

Otto Lenz (1876-1934), der Vater des Künstlers, war bis 1924 Lehrer in Bollenbach. Auch er spielte Geige, unterrichtete seinen Sohn am Anfang selbst. Er malte auch, jedoch scheint keines seiner Bilder erhalten zu sein.
Den Haslachern bekannt ist Otto Lenz vielleicht noch heute als Erbauer der „Lenz-Hütte. Ihm ist es zu verdanken, dass im Mittleren Kinzigtal seit damals Erdbeeren angebaut werden.

„Meine Mutter“, Eugenie Lenz


1932; Öl auf Leinwand
68,5 x 42,5cm

Die Mutter Eugenie Lenz, geb. Schuchmann (1880-1954), Lehrerstochter aus Haslach, spielte sehr gut Klavier. Sie begleitete ihren Sohn Bruno bei seinen frühen Auftritten als „geigendes Wunderkind“.

„Meine Schwester“, Eleonore Lenz


1931; Öl auf der Rückseite einer Landkarte
40,2cm x 31,5cm

Die Schwester Eleonore Lenz (1908-1977) erkrankte mit etwa 20 Jahren an Schizophrenie. Bis zu ihrem Tod lebte sie in der Heilanstalt Rottenmünster bei Rottweil, mit nur wenigen Jahren Unterbrechung: Die Zeit des „Dritten Reichs“ verbrachte sie auf Anraten des Arztes Dr. Wrede bei ihrer Mutter in Freiburg und überlebte dadurch.

„Selbstbildnis“


1942; Öl auf Pappe
59cm x 41,5cm

1942, als Lenz in der Kaserne Freimann bei München stationiert war, entstand dieses „Selbstbildnis 42“. Während der allgemein unbeliebten Nachtwachen am Morsegerät, zu denen sich Lenz freiwillig meldete, fand er Ruhe genug zum Malen und Zeichnen, zum Gedichte- und Briefeschreiben.

„Vronli“, Veronica


1987; Bronzeguss (Original aus Gips 1942 entstanden)
Höhe 25,5cm

Das Original aus Gips, ein Abbild des Köpfchens seiner ersten Tochter, entstand während des Krieges in Weimar, wo Veronica (geb. 1941) ihre ersten Lebensjahre mit ihrer Mutter verbrachte.
 
Aus Sorge, es könne vielleicht längere Zeit nicht mehr heil überstehen, ließ Lenz 1987 zwei Exemplare in Bronze gießen.

„Vronli“, Veronica


1946; Bleistift und Kreide auf Tonpapier
29,7cm x 21cm

Lenz hat Veronica in den knapp bemessenen Urlaubstagen während des Krieges oft gezeichnet und gemalt. Schon als kleines Kind saß sie ihrem Vater gern und geduldig Modell. Sie war stolz, durch Stillsitzen zum Gelingen eines Bildes beizutragen.

„Anne-Marie mit Medaillon“


1947; Bleistift auf Papier
30,1cm x 21,1cm

Als das Ehepaar Lenz nach einem festlichen Abend bei Freunden in Augsburg gegen Morgen nach Hause zurückgekehrt war, entstand diese Zeichnung.

„Veronica und Simone“


1960; Öl auf Leinwand
40,5cm x 67cm

Von seinen beiden Töchtern zusammen gibt es nur dieses eine Ölbild, obwohl Lenz mehrfach andere Geschwisterbildnisse gemalt hat. Ob es daran lag, dass die Jüngere, Simone (geb.1953), unter dem strengen „Malerblick“ des Vaters nicht gerne stillsitzen mochte?

„Doppelbildnis“


1965; Öl auf Leinwand
95cm x 80cm

Lenz hatte seiner Frau von einer Japanreise mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks einen roten Kimono mitgebracht.

„Selbstbildnis“

1967; Öl auf Leinwand
53,5cm x 67cm

Dieses Selbstporträt hat Lenz - wie das Bild von 1942 - auch in München gemalt. Allerdings in deutlich entspannteren Zeiten: Anstatt mit Kameraden in der Kaserne lebte er nun mit Ehefrau, zwei Töchtern und Schwiegermutter in einem Reihenhäuschen.

„Selbstbildnis“


2004; Bleistift auf Papier
41,5cm x 29,5cm

Trotz starker Beeinträchtigung auf Grund einer Verletzung seines rechten Armes gab Lenz – beinahe 90jährig – nicht auf: „Jetzt interessiert mich, was die linke Hand zu sagen hat." So zeichnete er 2004 auch dieses Selbstbildnis „mit links“. Es gehört zu den letzten Werken, die er noch vollenden konnte.

Porträts - Porträts von Kollegen, Freunden und Auftraggebern

Lenz erklärte einmal, er fühle sich beim Malen bestellter Porträts nie ganz frei. Stets sei er bestrebt, äußere Ähnlichkeit und Wesen des Modells so genau wie möglich zu treffen, aber auch die Erwartungen jeweiliger Auftraggeber zufrieden zu stellen.
Mit weniger Skrupeln ging er vor, wenn er ein Bild quasi um des Bildes willen gestalten konnte. Da geriet ein Porträt schon mal zur Karikatur.

„Der Komponist Georges S. Tsouyopoulos“


1957; Öl auf Leinwand
96cm x 75cm

1957 hat sich Tsouyopoulos  (1930-2018) im Gästebuch der Familie Lenz verewigt. Anzunehmen ist, dass dieses Porträt im selben Jahr entstand.

„Professor Karl Höller“


1962; Öl auf Leinwand
90 x 75cm

Stilistisch ist das Porträt des Organisten und Komponisten Karl Höller (1907-1987) eines der ersten, bei denen Lenz zwar Gesicht und Hände detailliert malte, Körper und Hintergrund jedoch skizzenhaft beließ.

„Miwako Ninomiya“


1965; Ölfarbe, Kohle auf Leinwand
94,5 x 80cm

Bei diesem Bild der japanischen Geigerin Miwako Ninomiya hat der Künstler das Skizzenhafte noch konsequenter
durchgehalten als beim Porträt Höller. Lenz verwendete Farbe nur für Gesicht und Frisur, äußerst sparsam selbst da.

„Antonio Mingotti“


1968; Öl auf Leinwand
80 x 95cm

Antonio Mingotti (1900-1974) war Violinist. In München schrieb er Musikkritiken für die Abendzeitung. Das Porträt von Mingotti weist eine Besonderheit auf: die rechte Hand greift über den Rahmen.
Lenz erklärte dazu, er habe den Rahmen zu klein berechnet, sodass ein unterer Teil des Gemäldes verdeckt blieb. Statt einen neuen Rahmen anzufertigen habe er lieber kurzerhand das Verborgene oben drauf gemalt.

„Geschwisterpaar Antonietta und Raphaela“


1980; Öl auf Leinwand
80 x 60cm

Bruno Lenz hatte die beiden Mädchen aus der Nachbarschaft eingeladen, ihm Modell zu stehen, einfach, weil ihn das aparte Aussehen der Beiden zu einem Bild anregte.

„Professor Karl Rahner“


1980; Graphitstift auf Papier
47,7 x 36cm

Die Zeichnung des Theologen Karl Rahner (1904-1984) entstand im Zusammenhang mit einem Auftrag der Katholischen Akademie München. Wie so oft, reizte es Lenz, während der Sitzungen für das Ölbild noch unterschiedliche Ansichten zeichnerisch auszuprobieren.

„Anthony Blunt und Rudolf Serkin”

1986; Graphit auf Papier
42 x 56,2cm

Warum Lenz diese beiden Persönlichkeiten auf ein Blatt gebannt hat, ist nicht bekannt. Gewiss ist aber, dass keiner der beiden ihm jemals Modell gesessen hat.

„Rafael Kubelik“


1987; Öl auf Leinwand
115,5 x 75,3cm

Der tschechische Dirigent und Komponist Rafael Kubelik (1914-1996) war von 1961 bis 1979 Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. In diesem Orchester geigte Bruno Lenz seit 1949 als stellvertretender Konzertmeister.

Porträts - Karikaturen

Bruno Lenz hatte schon in der Abiturklasse im Schuljahr 1932/33 Karikaturen seiner Lehrer und Klassenkameraden gezeichnet. Statt der üblichen Schulhefte verwendete er Notizblöcke ohne Linien, um besser zeichnen zu können!

„Der Cellist Brüchle“


1942; Bleistift auf Papier, Druck
Unterschiedliche Kleinformate

Eine Serie von Karikaturen zeigt den Cellisten Ernst Brüchle (1898-nach 1947), sozusagen „in voller Fahrt“. Die Zeichnungen zeugen einmal vom hingebungsvollen Musizieren des Cellisten, zum anderen von Lenz’schen Fantasien und seinem Humor.

„Leonard Hokanson“


1981; Öl auf Leinwand
80 x 60cm  

Leonard Hokanson (1931-2003) war ein amerikanischer Pianist mit schwedischen Wurzeln. Nach 1945 kam er mit der US Armee nach Augsburg, war bald in Europa ein gefragter Kammermusikpartner. Hokansons markantes Gesicht mit seiner expressiven Mimik beim Musizieren bot sich geradezu an, es zu karikieren.